venerdì 9 ottobre 2015

L'intervento in Aula di mons. Koch

di mons. Heiner Koch

Durante la discussione in Aula il 5 ottobre scorso, l'arcivescovo di Berlino è intervenuto sottolineando come vi sia il rischio per i divorziati risposati che non hanno accesso all'eucaristia che dubitino di Dio". Il testo è stato pubblicato in tedesco sul sito della Conferenza episcopale tedesca e tradotto in inglese dal blog In Caelo et in Terra. A seguire il testo nelle due lingue.

Zu Punkt 28 des Instrumentum laboris:
1. Bis vor Kurzem war ich Bischof des Bistums Dresden-Meißen und komme nun zur Synode als Erzbischof von Berlin. Im Osten Deutschlands sind über 80 Prozent der Menschen ungetauft und haben oft seit vielen Generationen keine Berührung mehr mit dem christlichen Glauben und der Kirche. Wir Katholiken bilden manchmal nicht mehr als 3–4 Prozent der Bevölkerung. Aber in den Städten, etwa in Dresden und Leipzig, sind wir eine junge Kirche: Die größte Gruppe unter den Katholiken ist zwischen 20 und 30 Jahre alt. Es ist das Alter, in dem junge Menschen heiraten und eine Familie gründen. Viele von ihnen wollen allerdings nicht heiraten und leben unverheiratet zusammen. Das hat bei vielen nichts mit Unverbindlichkeit oder fehlender Moral zu tun. Die Institution und die Tradition Ehe wird als nicht lebensnotwendig eingestuft.

Zu Punkt 35 des Instrumentum laboris:
2. Wenn aber zwei junge Menschen sich kirchlich trauen – oftmals gehört einer der Partner einer anderen Konfession an, nicht selten ist er ungetauft –, dann ist dies in unserer Gesellschaft ein tiefes, viele oft nachdenklich stimmendes Glaubenszeugnis: „Warum heiratet Ihr kirchlich? Was soll das?“, fragen die ungetauften Freundinnen und Freunde, wenn sie solch eine kirchliche Trauung erleben. Dann bricht in der Trauung für sie die Frage nach Gott auf und nach dem Glauben. Ich bin den jungen Menschen, die sich auf den Weg der Ehe machen, dankbar für ihr Glaubenszeugnis. 40 Prozent der Ehen, die Katholiken in meinem Erzbistum eingehen, sind Ehen mit einem Partner oder einer Partnerin, die einer anderen Konfession angehört. Solche Ehen sind im ökumenischen Geist eine besondere Herausforderung und Chance. Diese Familien erwarten von uns ein ermunterndes Wort. In Abschnitt 28 des Instrumentum laboris sind sie deutlich zu schwach berücksichtigt.

Es ist so wichtig, dass der Heilige Vater mit uns von dieser Synode aus das Evangelium vom Geheimnis der Ehe mit einer neuen Hermeneutik, in einer neuen Sprache, in einer Sprache der Fülle, des Segens, des reichen Lebens provozierend und einladend für die Menschen aussendet. Welche Gnade wird da den Menschen angeboten, welche Teilhabe an Gottes Schöpfungs- und Heilsordnung, welche Tiefe der Liebe Gottes und der Menschen zueinander: Es geht uns doch in der Ehe um ein Leben aus der Fülle des Lebens und der Liebe Gottes, die auch noch in der Zerbrochenheit tragen. Dies muss unsere Botschaft in Kirche und Gesellschaft sein. Wir dürfen auf der Synode nicht den Eindruck vermitteln, als wenn wir uns vor allem um das Scheitern und um die Zulassungsbedingungen zu den Sakramenten gestritten hätten.

Allerdings: Auch tiefgläubige junge Christen stellen mir angesichts der Erfahrung in ihrer Familie und in ihrem Freundeskreis die Frage: „Aber wenn wir in unserer Ehe scheitern und später eine neue Ehe eingehen, warum sind wir dann vom Tisch des Herrn ausgesperrt? Weist Gott die Menschen, die ein Scheitern erlebt haben, von sich?“ Dann versuche ich zu erklären, warum wir die wiederverheiratet Geschiedenen nicht zur Kommunion zulassen, aber die Argumentation dieser theologischen Aussagen lässt die Fragen im Herzen der Menschen nicht verstummen: Ist für Menschen, die unumkehrbare Brüche in ihrem Leben erlebt und erlitten haben, kein Platz am Tisch des Herrn? Wie fehlerlos und wie heil muss man sein, um zum Mahl des Herrn eingeladen zu werden? Mir wird immer wieder deutlich, dass die Frage der Zulassung der wiederverheiratet Geschiedenen zur Eucharistie nicht in erster Linie eine Frage nach der Unauflöslichkeit des Sakraments der Ehe ist. Für viele Menschen stehen in dieser Frage die Kirche und ihre Barmherzigkeit in Frage. Nicht wenige Betroffene ziehen sich bei uns aufgrund der von ihnen empfundenen Zurückweisung mit ihren Kindern von der Kirche zurück. Zuletzt und zutiefst aber geht es für viele um den christlichen Glauben und um Gott und seine Barmherzigkeit. Über die Frage der Zulassung zur Eucharistie wird für viele Gott fragwürdig.

Zu Punkt 29 des Instrumentum laboris:
3. Über 100.000 Alleinerziehende leben allein in Berlin mit all ihren Herausforderungen und Belastungen zwischen persönlichem Leben, Kindererziehung und Arbeit. Bei allem, was wir bedenken: Auch sie sind Familien.

Zu Punkt 24 bis 27 des Instrumentum laboris:
4. Eine besondere Sorge gilt den kinderreichen Familien, die für uns ein Segen sind. Drastisch wie sonst selten auf der Welt ist ihre Zahl in Deutschland zurückgegangen, ein wesentlicher Grund für unsere demographischen Sorgen. Ihre finanzielle Sicherung, die ungenügende Anerkennung der erzieherischen Leistung der Eltern in unseren Sozialversicherungen und die schwierige spätere Wiedereingliederung ins Berufsleben stellen große Ärgernisse dar. Vor allem aber sollten wir ihnen ein Wort der Anerkennung und unserer Hochachtung aussprechen.

Zu Punkt 29 des Instrumentum laboris:
5. Für ein Drittel der Katholiken in der Stadt Berlin ist die deutsche Sprache nicht die Muttersprache. In Berlin leben viele Zuwanderer, Asylanten und Flüchtlinge. Vom ersten Tag meines Dienstes in dieser Stadt an erlebe ich auch das Drama der Flüchtlingsfamilien, durch Gewalt getrennt oder gemeinsam geflohen, nun aber fern der Heimat. Wir dürfen diese Familien nicht allein lassen, auch nicht auf dieser Synode. Die Heilige Familie war auf der Flucht und hatte nur eine Krippe für ihr Kind, aber diese Flüchtlingsfamilie ist für uns alle ein Segen geworden. Will Gott uns auch heute vielleicht gerade in den Flüchtlingsfamilien ein Segen sein? Wir müssen auf dieser Synode auch über diese Familien sprechen und wir müssen über uns als die neue Familie Jesu, die Familie seiner Kirche sprechen, die keine Mauern und Stacheldrähte errichten darf. Die Flüchtlingsfamilien gehören zu uns und wir zu ihnen. Füreinander sind wir ein Segen.

Zu Punkt 17 und 20 des Instrumentum laboris:
6. Den Eheleuten, die viele Jahrzehnte das Leben in ihren Familien in Höhen und Tiefen in Treue gelebt und manchmal auch durchgehalten haben, sollten wir dankbar sein für das Glaubenszeugnis, das sie mit ihrer Ehe ablegen, und dies als Synode auch zum Ausdruck bringen. Familie ist mehr als junge Eltern mit ihren jungen Kindern. Vielleicht wird das Familienleben am schwersten erst im Alter und im Sterben stehen in unserer Gesellschaft immer drängendere Fragen an. Unsere gegenwärtige Diskussion in Europa über die sogenannte Sterbehilfe ist auch so dramatisch, weil viele alte Menschen in ihren Familien kein Zuhause mehr haben und für sie kein Platz mehr ist in den engen Wohnungen und bei den vielen beruflichen Anspannungen. Alt werden, krank sein und sterben sind Themen der Familie, über die wir auf dieser Synode nicht schweigen dürfen, wenn von der Schönheit der Familie die Rede ist. Schutz des ungeborenen Lebens am Anfang und Schutz des Lebens während und am Ende des Lebens gehören untrennbar zusammen.

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Concerning Point 28 of the Instrumentum laboris:
1. Until recently I was the bishop of the Diocese of Dresden-Meißen and now I come to the Synod as archbishop of Berlin. In eastern Germany more than 80 per cent of the people are not baptised and have often not had any contact with the Christian faith and the Church for many generations. We Catholics are sometimes no more than 3 or 4 percent of the population. But in the cities, for example in Dresden and Leipzig, we are a young Church: the majority of Catholics is between 20 and 30 years of age. That is the age at which young people marry and start a family. Many of them, however, do not want to get married and live together unmarried. For many, that has nothing to do with a lack of commitment or a failing morality. The institution and the tradition of marriage is not considered to be of vital importance.

Concerning Point 35 of the Instrumentum laboris:
2. But when two young people marry before the Church – often one of the couples belongs to another faith or confession, and not seldomly he or she is not baptised – then this is in our society a profound and often thought-provoking witness of faith: “Why do they marry before the Church? Wat does that mean?” unbaptised friends wonder when they experience such a Church wedding. The wedding leads them to the question of God and the faith. I am grateful to the witness of young people who are preparing for marriage. Forty percent of the marriages of Catholics in my archdiocese are marriages in which one of the partners belongs to another confession. Such marriages are ecumanically speaking a special challenge and opportunity. These families expect from us an encouraging word. In section 28 of the Instrumentum laboris they are taken into account much too weakly.

It is so important that the Holy Father, with us, sends out from this Synod the Gospel of the mystery of marriage, with a new hermeneutic, in a new language, a language of fullness, of blessing, of the richness of life, provocative and inviting for the people. What grace is offered to the people, what participation in God’s order of creation and salvation, what depths of mutual love between God and people: Marriage is for us about a life in fullness and in the love of God, even in our brokenness. This must be our message in Church and society. The Synod can not give the impression that we mainly fought over divorce and conditions for admittance to the sacraments.

However, deeply faithful young Christians also ask me, in light of experiences in their families and circles of friends, the question: “But when we divorce and later enter into a new marriage, why are we then barred from the table of the Lord? Does God refuse the people who have gone through a divorce?” I then try to explain why divorced and remarried people can not receive Communion, but the arguments of these theological statements do not silence the questions in the hearts of people: Is there no place at the Lord’s table for people who experienced and suffered an irreversible break in their lives? How perfect and holy must one be to be allowed to the supper of the Lord? It becomes clear to me every time that the question of allowing divorced and remarried people to the Eucharist is not in the first place a question about the indissolubility of the sacrament of marriage. Many people question the Church and her mercy in this regard. More than a few people concerned leave the Church with their children on the basis of what they see as rejection. Ultimately and most profoundly it is much more about the Christian faith and God and His mercy. For many, the question of admittance to the Eucharist makes them doubt God.

Concerning Point 29 of the Instrumentum laboris:
3. In Berlin alone there are more than 100,000 single parents with all their challenges and stress in their personal lives, raising their children and their work. In all that we think about: They too are families.

Concerning Points 24 to 27 of the Instrumentum laboris:
4. Families with many children, who are a blessing for us, deserve special care. In Germany their number has dropped more drastically than in other parts of the world; a true reason for our demographic concerns. Their financial security, insufficient recognition of the pedagogical benefit of the parents in our society and the difficulty of later reintegration into the work force represent great scandals. To them in particular we should express a word of recognition and our esteem.

Concerning Point 29 of the Instrumentum laboris:
5. For one third of the Catholics in the city of Berlin, German is not their mother tongue. Berlin is home to many immigrants, asylum seekers and refugees. From the first day of my service in this city I have also witnessed the drama of refugee families, separated by violence or fled together, but now far from home. We can not leave these families alone, not even at this Synod. The Holy Family fled and only had a manger for their child, but this refugee family became a blessing for us all. Does God perhaps today also want the refugee families in particular to be a blessing for us? At this Synod we must also speak about these families and we must speak about ourselves as the new family of Jesus, the family of His Church, which does not erect any walls or barbedwire.The refugee families are part of us and we of them. We are a blessing for each other.

Concerning Points 17 and 20 of the Instrumentum laboris:
6. We should be grateful to the married couples who have faithfully lived and sometimes also persevered in the life of their families in good and bad times, for their witness of faith made with their marriage, and also express this as a Synod. Family is more than young parents with their young children. Perhaps family life becomes hardest in old age and death, about which ever more pressing questions are being asked in our society. The current discussion in Europe about so-called assisted dying is even more dramatic as many elderly people find no home in their families and no place for them in their small houses and in the face of many occupational stresses. Aging, being ill and dying are topics of the family, about which we can not remain silent in this Synod, when we talk about the beauty of the family. Protecting unborn life from conception and protecting life during and at the end of life belong inseparably together.

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